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Sonntag, den 8. November 2015 um 17 Uhr
KUNSTRAUM BOGENHAUSEN

STRUKTUR UND NÄHE – ARBEITEN VON ANNE PINCUS UND MARCUS BERKMANN

Das Zoomen ins Bild und damit auch das Heranzoomen von Wirklichkeit ist das Thema dieser Ausstellung. Zu sehen sind aktuelle Arbeiten, die auf einer gemeinsamen Reise durch das australische Queensland entstanden sind.

In den Arbeiten beider Künstler zeigt sich das, was wir sehen, so wie wir es nicht sehen.
Bei Anne Pincus sind es abstrakt wirkende Bilder, die spürbar einen realen Ursprung haben, aber aus ihrem Kontext gelöst zu freier Malerei werden.
Berkmann zeigt Ansichten des Alltäglichen, die er schrittweise ins Ungegenständliche führt. Dabei suggeriert die Brillanz seiner analogen Fotografie eine Gegenständlichkeit, die bei extremer Vergrößerung im Widerspruch zu der nicht mehr ablesbaren Herkunft des Bildes steht.
Pincus dagegen untersucht oft flüchtige Phänomene wie Spiegelungen und Schatten, aber auch schwierig zu entdeckende Strukturen aus dem organischen Bereich. Hier begibt sie sich auf eine bildnerische Suche mit dem Ziel, die Strukturen der Natur zu verstehen. Sie zeichnet um zu zeigen, doch in der malerischen Entwicklung des Bildes tritt die Vorlage immer weiter zurück. Man könnte von einem klassischen Abstraktionsprozess sprechen, der zwischen dem Anspruch einer objektiven Dokumentation und der Hingabe an die künstlerische Subjektivität changiert.
In den Fotoserien von Marcus Berkmann taucht ein weiterer Aspekt auf. Durch seine Serien, in denen er den Blick des Betrachters vom Weitwinkel  über die Normalansicht zur Nahaufnahme führt, verrät er die Herkunft der abstrakt wirkenden Makroaufnahme. Er führt uns mit der Bilderserie fast hinein in das Objekt. Gleichzeitig aber holt er damit die Wirklichkeit so nahe heran, dass sie unwirklich wird. Damit zeigt er ganz nebenbei die Problematik des Heranzoomens an die Dinge der Welt, die unkenntlich werden, weil sie ihren Kontext verlieren, und weist – wenn man so will – auf die Struktur der Nähe.

Anne Pincus, 1961 in Australien geboren, studierte Bildende Kunst an der Monash University, Gippsland und vergleichende Religionswissenschaften an der Latrobe University, Australien. Sie lebt seit 1994 in München. Pincus untersucht Natur bildnerisch; aus der mikroskopischen Nahsicht der pflanzlichen Umgebung extrahiert sie bildnerisch Strukturen, die sich jeder nachvollziehbaren Ordnung entziehen.
www.annepincus.net

Marcus Berkmann, geboren 1967, studierte Bildhauerei an der Kunstakademie in    München und im Central Saint Matins College in London. Seit seiner Magisterarbeit beschäftigt er sich mit Entropie, der allgemeinen Tendenz zur Unordnung in allen Erscheinungsformen. Seit einigen Jahren sind seine Ausdrucksmittel zunehmend Radierung und Aquatinta sowie die analoge Fotografie auf Film und Papier.