I’m giving these pictures

Freitag den 23. März 2018, 19.00 Uhr
KUNSTRAUM BOGENHAUSEN

Unter dem Titel I’m giving these pictures bespielt der Münchner
Künstler Florian Ecker für einen Abend den Salon des Kunstraum Bogenhausen.

Eckers Arbeiten sind wie Spuren, die entstehen, während er persönlichen Beobachtungen Erfahrungen und Empfindungen nachspürt. Sie bewegen sich frei zwischen den verschiedenen Medien und sind nicht immer eindeutig visuell greifbar. Sie sind die Umsetzungen komplexer, persönlicher Gedanken und Ideen des Künstlers und spielen auf sensible Weise mit Erwartungen, Sinnen und subjektiven Bildwelten des Betrachters.

Um Farben und Sinneserfahrungen geht es bei den Risographien, die benannt sind nach einem Zitat von Sun Ra, sowie einem Fantasienamen aus der Farbpalette von August Kopisch:

OUT OF THE SUN/ COLORS COME/ LIKE
SPORES THE RAYS STRIKE THE EARTH/
AND FORMS OF BEING TAKE SHAPE TO BE/
BEING RAISES ITSELF ACCORDINGLY/
ACCORDING TO THE VIBRATION/ OF
THE RAY TO WHICH IT SYNCHRONIZED
ITSELF./ SHADOWS ARE LIKE IMAGES/
IN AN ABSTRACT WAY THEY ARE IMAGES
OF THE SUN./ THE IMAGES ARE OF
DARKNESS IN PASTEL-BLACK./ IMAGES
ARE SOMETIMES INVISIBLE/ THE LIGHT
IS AS THE DARKNESS: IT IS WRITTEN/
THE INVISIBLE LIGHT IS THE COSMO-
DARKNESS/ IT IS ULTRA//* ALIAS//
CHRYSOGRASBRILLIANTFEUERGRÜN//* *

Die Motive der Drucke basieren auf Formbildern der Sonne. Sie muten wie Scherenschnitte an, tatsächlich aber sind sie deren Negativformen und zeichnen die kryptischen Konturen von Schatten in Flächen von fluoreszierendem Pink.

Für die Arbeiten ließ sich Florian Ecker von dem Naturschauspiel des Grünen Strahls*** inspirieren. Der Blick in das leuchtende Pink lässt das Auge Grün sehen. Unweigerlich scheinen sich die unbedruckten, weissen Bereiche der Grafiken grün zu färben, die Formen der Schatten scheinen sich mit Farbe zufüllen. Es entsteht ein Bild, das auf einem optischen Reiz basiert und daher nur flüchtig ist.

Für SKULPTURALES LICHTBILD wird das Licht zweier Diaprojektoren durch dünn geschnittenen Carrara Marmor geschickt. Unmerklich für den Betrachter verändern sich durch diesen Prozess das Wellen- und Teilchenverhalten des Lichts, es verbindet sich mit der kristallinen Materialität des Marmors.

Im Fokus der Arbeit steht der Moment, in dem eine Umkehrung der bildsprachlichen Definitionen von Materialität statt findet. Es ist der Moment, in dem das Licht gleich einer Skulptur frei im Raum steht.

Diese, sowie eine Reihe weiterer Arbeiten, die Florian Ecker in seiner Einzelausstellung zeigt, thematisieren eine Bildwelt, die auf Empfindungen und Sinneseindrücken basiert und allein durch das Erfahren seiner Arbeiten evoziert wird.

*Sun Ra, Vibration of the Ray// **August Kopisch

FLORIAN ECKER
(*1977 in Landshut), 2007−2014 Akademie der Bildenden Künste München, Prof. Nikolaus Gerhart, Prof. Olaf Nicolai, 2012 Meisterschüler Prof. Olaf Nicolai, 2014 Debütantenpreis des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Publikation Ein Element in Erwartung seiner Vollendung,
Sammlungsankauf Bayerische Staatsgemäldesammlungen Wisdom on abstract planes/ uses myth as a medium to understanding/ Thus a living parable to the outward or inward truth/ Is every myth// Edit 1,
2012 Stipendium der Jubiläums-Stipendien-Stiftung der Stadt München,
Einzel- und Gruppenausstellungen (Auswahl) 2017 Collection Born at Château de Dampierre, Dampierre sur Boutonne, Dort zu schauen die berühmten Aussichten, Kunstverein Aichach (solo), Quality Time, Kunstverein München, 2016, I’m giving these pictures, Zweigstelle Berlin, Berlin (solo), 40 winking stars, newinpaper, Seoul Südkorea (solo), Exposition Zweigstelle Berlin,
Miszellaneen Kunstwochenende München Galerie Thomas Modern (solo), 2014 Galerie Sebastianskapelle Ulm (solo) florianecker.com
Text: Julia Weiß, München

Moderation: Günter Nosch

***Jules Verne, Der Grüne Strahl, 1984 Pawlak Taschenbuch Verlag, Berlin, Drittes Kapitel ‚Der Artikel der >>Morning-Post<<

>>Haben Sie jemals die Sonne beobachtet, wenn sie
unter einem Meereshorizonte verschwand? – Ja
sicherlich. Sind Sie ihr auch mit dem Blicke gefolgt bis
zu dem Moment, wo sie, wenn der obere Rand ihrer
Scheibe den Wasserrand berührt, eben gänzlich untergehen
will? – Höchstwahrscheinlich. Aber haben Sie
dabei die Erscheinung bemerkt, welche genau in dem
Augenblick auftritt, wo sie uns, vorausgesetzt, daß der
dunstlose Himmel eine durch nichts gestörte Fernsicht
gewährt, ihren letzten Strahl zusendet? – Nein,
vielleicht nicht. Nun, sobald sich Ihnen eine Gelegenheit
bietet – und das ist nur sehr selten der Fall – , bei der
Sie diese Beobachtung machen können, so werden Sie
wahrnehmen, daß nicht, wie man glauben könnte, ein
roter, sondern ein >>grüner<< Strahl die Netzhaut
des Auges trifft, aber ein Strahl von ganz wunderbarem
Grün, von einem Farbton, wie ihn kein Maler auf seiner
Palette erzeugen kann, einem Grün, welches die
Natur selbst weder in der so verschiedenen Färbung
der Pflanzen, noch in der der klarsten, durchsichtigsten
Meere jemals wieder in gleicher Nuance hervorbringt.
Wenn es im Paradiese Grün gibt, so kann es
nur das hier gemeinte sein, welches ohne Zweifel das
wirkliche Grün der Hoffnung darstellt!<<