Ambrosia

Sonntag, den 5. Mai 2013, 15 Uhr
Seidlvilla, Nikolaiplatz 1b, München

ANGELIKA BARTHOLL
AUSZUG AUS EINER REDE VON REINHARD FRITZ

In der Arbeitsweise von Angelika Bartholl, wird ihre persönliche Form der künstlerischen Suche nach Authentizität und Glaubwürdigkeit deutlich. Sie reagiert damit auf ein allgemein zunehmendes Gefühl der Verunsicherung, Entwurzelung und Verweltlichung.

Metaphorisch gesagt begibt sie sich in ihrer Arbeitsweise selbst in den Zwiespalt von Wunsch und Mißtrauen gegenüber einer Idealisierung des Einfachen, Archaischen und der Formulierung von Sehnsuchtsmotiven.

In dem Spannungsfeld von Abbild und Bildhaftigkeit entstehen Bilder und Zeichnungen von hohem ästhetischen Reiz, die die Ahnung eines verborgenen Wissensschatzes aufkommen lassen.

Und doch ist diese Kunst nicht nur eine Sache des Machens, sondern auch eine des Sehens, zumal des differenzierten Betrachtens, aber auch der Wahrnehmung überhaupt. Einige Anregungen dazu habe ich vorhin bei der Beschreibung der Zeichnungen gegeben. “Um die Gedanken sichtbar zu machen, muss ich auf Materie zurückgreifen”, sagt Angelika Bartholl.

In der genauen Beobachtung, welches Material verwendet wird und welche seiner Eigenschaften im Bild zum Tragen kommen, liegt der Schlüssel für das Verständnis ihrer Werke. Darüber hinaus sind sie als Betrachter aufgefordert, Fragen in das Werk hineinzutragen, dem Nachhall dieser Fragen zu lauschen und dabei das Zusammenspiel der eigenen Wahrnehmung und der Intention der Künstlerin spüren. Auf diese Weise wird es ihnen möglich, das Rätsel der ästhetischen Erfahrung aufzulösen und die konkrete Welt darin zu erkennen. Gute Kunst konfrontiert einen dabei immer mit Gedanken oder Gefühlen, die ohne diese Kunst nicht in Erscheinung getreten wären.

Gerne versuche ich mir bei der Betrachtung von Werken der bildenden Kunst vorzustellen, welche Musik ihnen entsprechen würde. Bei den Zeichnungen von Angelika Bartholl denke dabei an Klaviermusik, insbesondere an die kurzen Stücke von Eric Satie, die Gnossiennes und an deren diatonische Ausdrucksweise und frische Leichtigkeit.
süddeutsche Zeitung „Wie ein Flügelschlag.“
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www.angelikabartholl.de